
Hier werde ich nach und nach meine Erfahrungen mit Thabita und Zigeuner erzählen.
Erfahrungen, welche ich im Laufe der Jahre gesammelt habe, sei es durch Literatur, durch ausprobieren im Umgang und durch das Umsetzen von Erlernten.
Auch hatte ich viele Anregungen durch Freunde und Reitbekannte, wo es immer wieder einen regen Erfahrungsaustausch gab.
Vielleicht kann ich damit so manchen Pferdebegeisterten helfen oder Denkanstöße für den Umgang mit dem eigenen Pferd geben.
Für Fragen oder Anregungen stehe ich gern zur Verfügung.
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Dann fange ich mal mit meinen Erfahrungen, die ich mit Zigeuner erleben durfte hier an.
Als ich Zigeuner damls gekauft habe, stellte es sich ziemlich bald heraus, das ich ein sogenanntes Problempferd erworben habe.
Beim ersten Striegeln mußte ich feststellen, das er beim Hufe geben nur vorn dazu bereit war, sobald man in die Nähe der Hinterbeine kam trat er aus und versuchte zu beißen.
Striegeln war nur bis hinter der Sattellage möglich.
Wollte man ihm einen liebevollen Klaps auf sein Hinterteil geben mußte man sich auch wieder vor seinen Tritten in Acht nehmen.
Auch war er sehr Kopfscheu.
Erhob man in Kopfhöhe den Arm, sei es zum Bürsten des Kopfes oder zum Auftrensen oder Halftern, so versuchte er den vermeintlichen Angreifer wegzubeißen.
War man dann aber so weit gekommen, das man ihn satteln konnte, dann ging es erst richtig los.
Er drohte, biß, trat und fing an zu steigen.
Ich hatte damals immer Kathrin mit dabei, wir versuchten mit viel Geduld und Ruhe an ihn ran zu kommen, doch er vertraute uns lange nicht.
Wir lockten ihn mit Leckereien, eine lenkte ihn ab, während die Andere sattelte.
Saß ich dann endlich auf ging es dann.
Im Reitplatz hatte er einen ziemlichen Dickkopf, aber beim ersten Ausritt zeigte er sich dann von einer ganz anderen Seite.
Im Gelände fühlte er sich wohl, er lief aufgeweckt, pfiffig unseren Weg.
Das belohnte mich für den vorherigen Streß.

Dann stand unser erster Besuch beim Hufschmied an.
Dieser endete ziemlich blutig für den Schmied.
Ich hatte ihn vorgewarnt, das Zigeuner ziemliche Probleme bei den Hufen machte, aber der Schmied war der Meinung, er würde schon klar kommen.
Ja, vorn war noch alles in Ordnung, er meinte schon was ich denn bloß hätte....
Dann waren die Hinterhufe an der Reihe.
Ja was soll ich sagen...
Zigeuner stieg, biß und trat regelrecht um sich.
Er bekam dann eine Nasenbremse angesetzt, aber da wurde er noch wilder.
Fazit:
Der Schmied fuhr mit blutigen Händen nach Hause.
Vor dem nächsten Termin, verlangte er, das ich Zigeuner Beruhigungsmittel geben, gesagt, getan.
Ich gab es ihm, wir warteten, es schien zu wirken.
Als dann der Hufschmied mit den vorderen Hufen fertig war wollte er an die Hinterhufe...
Weit gefehlt, trotz des Beruhigungsmittels tobte Zigeuner wie wild.
Das war der letzte Besuch dieses Schmiedes bei uns.
Von nun an versorgte ich nur noch die vorderen Hufe, die hinteren ließ ich sein.
Wie es mit den Hufen weiter ging, dazu komme ich dann zu einem späteren Zeitpunkt.

So verbrachten wir 3 Jahre; ich hatte Angst vor meinem Pferd und war somit immer auf Begleitung angewiesen, da ich mich allein nicht mehr zum Pferd wagte.
Ich hatte mich damit abgefunden; und wenn Kathrin mit dabei war, dann unternahmen wir super schöne Ausritte.
Ja, im Gelände war er ganz anders, doch im Umgang blieb mir meine Angst vor ihm erhalten.

Im Juni 1996 zog ich mit Zigeuner nach Falkensee; ein netter Ort vor den Toren Berlins.
Dort fanden wir einen netten kleinen Privatstall, in dem Zigeuner mit einer Stute und deren Fohlen zusammen stand.
Doch was nun?
Kathrin war 600 km weit weg!
Von nun an mußte ich allein zum Pferd, denn ich kannte ja niemanden.
Jeden Tag fuhr ich zum Stall und hatte Angst; die Gedanken rasten nur durch meinen Kopf; was sollte ich mit Zigeuner nur machen? Was sollte ich tun wenn er wieder rum flippte?
Als erstes warnte ich den Stallbesitzer vor Zigeuner, doch dieser schob meine Warnungen einfach beiseite; heute weiß ich, daß das genau das Richtige war, denn bei ihm zickte Zigeuner nicht so rum.
Ich gab Zigeuner eine lange Eingewöhnungszeit, wohl eher weil ich nichts mit ihm anzufangen wußte, doch irgendwann mußte ich ja doch mal anfangen mit ihm zu arbeiten.
Eines Tages nahm ich all meinen Mut zusammen und fuhr zu ihm.
Ich holte den Dicken von der Wiese und fing an ihn zu striegeln.
Ich war ziemlich überrascht, das dies ohne große Zwischenfälle von statten ging.
Als Zigeuner dann langsam unruhig und zickig wurde ließ ich von ihm ab.
Ich redete mit ihm, kramte in der Putzkiste rum, kämmte dann nur noch seinem Schopf und brachte ihn danach zurück in die Wiese.
Ich war zufrieden mit ihm und mir; mag sein, das manch Leser nun über mich lächelt oder lacht, doch für mich war das schon ein riesen Schritt.
So versuchte ich es immer wieder, und wir kamen uns immer ein Stück näher.
Manchmal konnte man Zigeuner es direkt ansehen wie sehr er das Striegeln genoss.

Dann kam der Tag an dem ein Hufschmiedtermin anstand, oh Graus.
Wir trafen uns auf dem Nachbarhof mit unseren Pferden.
Dort sprach ich mit dem Schmied über meine Erfahrungen mit den Hufen und den früheren Hufschmiedbesuchen.
Er war ein sehr ruhiger Mensch und wollte es auf jeden Fall versuchen.
Erstmal hat er nur mit Zigeuner geredet und ihn schnuppern lassen, dann hat er ihn am ganzen Körper gestreichelt, auch an den Beinen ist er entlang geglitten.
Nach diesem ersten Kontakt bearbeitete er die Vorderhufe.
Das hat dann auch echt super geklappt.
Nun sollten auch die Hinterhufe dran kommen.
Doch dann plötzlich fing Zigeuner wieder an zu treten, nix ging mehr.
Insgeheim hatte ich mir so etwas ja schon gedacht, doch ich kannte den Schmied noch nicht, er wollte es weiter versuchen.
Er erklärte mir nun was er vorhabe und fragte ob er so arbeiten dürfe, es würde Zigeuner in keinem Fall schaden oder weh tun.
Ich willigte ein.
Er holte ein langes Seil aus dem Auto, legte Zigeuner eine Schlinge um den Hals, führte das Seil zwischen den Vorderbeinen unter dem Bauch durch, schlang es um einen Hinterhuf und führte das Seil wieder nach vorn.
Ich nahm das Seil entgegen.
Das Seil war etwas auf Spannung und Zigeuner hob den Huf an.
Nun ging der Schmied an den gehobenen Huf, erstmal sollte Zigeuner sehen das nix passiert.
Wollte er treten zog ich den Strick etwas an.
Nun konnte der Schmied arbeiten.
Beim anderen Hinterhuf haben wir das Seil wieder angewendet, doch der Einsatz war kaum nötig.
Zu Beginn fand ich die Methode brutal, aber als sie umgesetzt wurde und ich gesehen habe daß es Zigeuner wirklich nicht weh tut, es wurde höchstens unangenehm wenn er treten wollte, fand ich es recht gut.
Denn so wurde eine neue Basis geschaffen.
Bei diesem Schmiedbesuch lernte ich auch eine junge Frau kennen. Sie sah in Zigeuner eine Herausforderung.
Wir unterhielten uns noch eine Weile und sie bot mir ihre Unterstützung an.
Wir trafen uns des Öfteren und übten gemeinsam mit Zigeuner das anständige Hufe geben.
So lernte er mit der Zeit, daß es nichts gefährliches dabei gibt.
Und mit der Zeit machte er überhaupt keine Probleme mehr beim Schmied.
Durch das regelmäßige Arbeiten und üben wurde ich auch immer sicherer im Umgang mit ihm.
So langsam baute sich zwischen uns eine Vertrauensbasis auf.
Nach etwa einem Jahr kam Kathrin einmal übers Wochende zu Besuch.
Sie wollte natürlich Zigeuner sehen.
Sie war sehr überrascht wie brav er nun war, da war ich auf uns mächtig stolz.

Mit der Zeit lernte ich noch einige Reiter und deren Pferde kennen.
Wir unternahmen viele Ausritte oder ritten auch im Reitplatz.
Selbst hier machten Zigeuner und ich enorme Fortschritte.
Wir haben dann sogar mal an einem Turnier teilgenommen und es gut absolviert.
Ja, wir hatten 2 schöne Jahre in Falkensee.
Der Umzug war wirklich gut für Zigeuner und mich, denn hier waren wir erst einmal auf uns allein gestellt und haben so etwas zueinander gefunden.
Nach diesen 2 Jahren zog ich wieder zurück nach Reken.

Da Zigeuner teilweise immer noch recht unruhig im Umgang war, informierte ich mich im Buchhandel, was für Literatur es so gibt, die mir helfen könnte.
Dabei stieß ich auf ein Buch von Linda Tellington-Jones und ihren TT-Touch.
Nach einigen Blättern war es gekauft.
Zu Hause verschlang ich es regelrecht und probierte die Touches an Zigeuner aus.
Seine Reaktion darauf war erstaunlich.
Er genoss die Massage, er wurde ruhiger, nahm nun auch endlich den Kopf runter und stand auch nicht mehr so angespannt und unter Druck.
Diese Touches wendete ich nun immer mal wieder an, und er genoss es von Mal zu Mal mehr.
Und schon waren wir wieder einen kleinen Schritt weiter gekommen.
Es schien, als wenn unsere Kommunikation besser würde.


Hier wird immer mal wieder etwas mehr von unseren Erfahrungen erscheinen...
Freundlichen Gruß
Dagmar